Trecker Treck: Die Formel Eins der Landwirte
Lengerich ist besser als Hockenheim

Von Ellen Meyer

Lengerich. „Full Pull!“ Mit diesem Jubelgeschrei belohnten 10000 Besucher zwischen 0 und 80 Jahren trotz strömenden Regens die Sieger im „Kampf der Schlepper-Giganten“. An diesem Wochenende fand in Lengerich, Kreis Emsland, die deutsche Meisterschaft im Trecker Treck statt. 208 Fahrzeuge in der Bauern- und Sportklasse konkurrierten um die Pokale. Als Showeinlage flitzten Turbotraktoren mit 4000 PS über die 100 Meter lange Piste.

Lengerich hat sich unter den Trecker Treck Fans mittlerweile zum Geheimtipp entwickelt. Zum fünften Mal organisierte Konrad Eilers den Wettkampf für Jung und Alt. Bauerntrecker mit 35 PS bis zu den Turbo-Giganten gingen an den Start. Als weitere Attraktion reisten zum erstenmal acht Gardenpuller aus Amsterdam an. Mit einer Höhe von 1,50 Metern wirken sie gegenüber den 4,40 Meter hohen Giganten eher zierlich. Aber der Eindruck täuscht, denn mit 400 PS unter der Haube entwickeln sie ungeahnte Kräfte.

Spaß an der Freude war sowohl für Teilnehmer als auch für Fans das Wichtigste in der Formel Eins der Landwirte. Die Leidenschaft für die Traktoren erfasst jeden, der es selbst miterlebt hat. Ganze Fanclubs reisten aus dem Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein an, um das Volksfest mitzufeiern. Je nach Farbe der Overalls konnten die spezifischen Clubs zugeordnet werden. Eilers trat mit seinem Tractor Pulling Team „Hagen von Tronje“ an. Im schwarzen Arbeitsanzug kämpfte der Chef nicht nur um eine Trophäe, sondern musste nebenbei auch noch alle organisatorischen Probleme lösen. Mit stoischer Ruhe meisterte er alle Konflikte und hatte dabei auch noch Zeit, die Kinder mit Ohrstöpseln zu versorgen, denn der Motorenlärm heulte laut dröhnend über den Turnierplatz.

Der Dauerregen verwandelte die Wettkampffläche von 60000 Quadratmetern in glitschigen Morast. Zwar blieben einige angereiste Zuschauer mit ihren PKW’s auf den Feld-Parkplätzen im Schlamm stecken, aber ihre Fahrzeuge wurden von den bereitstehenden Treckern galant aus dem Dreck gezogen. Gegenüber dem Back, dem Bremswagen, wirkten die kleinen Autos eher wie Lappalien. Die Einheimischen wanderten Kolonnenweise mit Kinderwagen, Klappstühlen und Ostfriesennerz zur Wettkampfstätte im Lengericher Esch.

Zelte, Kinderkarusells und ein riesiger Traktorenfuhrpark erwarteten die Zuschauer. Alle Treckermarken waren vertreten, aber für die Insider zählte nur das bayrische Fabrikat „Schlüter“. Mit ihren roten Overalls konnten sie auch von Außenstehenden schnell als eingeschworene Fangemeinde erkannt werden. Rolf Brengartner reiste aus Heide in Schlewig-Holstein nach Lengerich, um mit seinem „Schlüter Super 3000“ Baujahr 1982 zu starten. Samstagnacht um 3 Uhr begann die Fahrt. Damit er den Hamburger Elbtunnel passieren konnte, mussten die Vorderreifen des Treckers abmontiert werden. Aber allen Widrigkeiten zum Trotz präsentierte er freudestrahlend seinen Traktor. „Von der Serien Super 3000 wurden nur 12 Traktoren produziert. Ich besitze den ersten“, sagte er stolz.

Herbert Vehring aus Osterbrock gehört zum Schlüter Team Vehring. Mit 20 Erwachsenen, 10 Kindern, fünf Wohnmobilen und fünf Wohnwagen bauten sie auf der Lengericher Arena eine eigene kleine Stadt. „Vor einigen Wochen waren wir bei der Formel Eins in Hockenheim. Aber der Trecker Treck in Lengerich ist besser“, meinte er. Mit sieben Schlüter Treckern zwischen 65 und 350 PS nimmt das Team am Wettkampf teil. „Wir machen das alles nur hobbymäßig“, fuhr er fort. Die Mitglieder des Teams sind größtenteils selbstständig oder arbeiten im Landhandel.

Das Green Devil Team aus Heede besteht aus 11 Twens, die hauptberuflich als Tischler, Metaller, Maurer oder Bauern arbeiten. 10000 Mark haben sie in ihren Deutz 100-06, Baujahr 1972 investiert und ihn auf 120 PS aufgetunt. Im Frühjahr steht er in einer Kartoffelhalle, aber wenn jetzt im Herbst die neue Ernte eingekellert wird, muss eine neue Unterkunft gesucht werden. Natürlich würden sie gern gewinnen, aber am Wichtigsten ist die Teilnahme an der deutschen Meisterschaft in Lengerich. So dachte auch Henk Tijhuis aus den Niederlanden. Er nahm mit seinem Ford Major Detroit in jeder Sportklasse teil. Die meisten Pokale ergatterte das Lohnunternehmen Peterberns aus Gersten, das in der Bauernklasse den ersten und dritten Platz erreichte.

Mit Spannung warteten die Zuschauer jedoch auf den Start der Turbo-Giganten Alligator und Brutus. Mit 3500 und 4000 PS gehören sie zu den Spitzenfahrzeugen. Behände zogen sie den Back über die Piste. Danach mussten Baustellenfahrzeuge die umgepflügte Piste wieder planieren, damit der Wettkampf weiter fortgesetzt werden konnte.

Walter Tegelmann aus Ibbenbüren filmt seit Jahren den Lengericher Treck Treck. An den zwei Tagen dokumentierte er den Wettkampf mit 20 Stunden Film. „Ich schneide mein Material auf 120 Minuten zusammen“, erzählte er. Die Lengericher Fans warten schon gespannt auf das Ergebnis, um an gemeinsamen Treckerabenden das Ereignis Revue passieren zu lassen. Unter den Traktor Clubs gibt es keine Rivalitäten. Zwar feuern die Fankurven aus Ahaus, Gersten, Lünne und Westrum ihre Favoriten enthusiastisch an, aber danach trinken sie miteinander ein Bier. „Full Pull!“ Erst in einem Jahr gibt es unter Eilers Leitung eine Fortsetzung.

zurück